- Presseartikel zu Rechtsextremismus u.a.-
OTZ - 17.1.08
Hörproblem stoppt die Justiz
Angeklagter Gewerkschafter kann Verhandlung nicht folgen - Auf unbestimmte
Zeit vertagt
Von OTZ-Redakteur
Volkhard Paczulla
Der Angeklagte hat sich ein Gerät in die Ohren gesteckt. Eines, wie es bei
internationalen Konferenzen für Simultanübersetzungen verwendet wird. Doch
es geht nicht um Sprachschwierigkeiten. Der gebürtige Italiener Angelo
Lucifero ist des Deutschen seit langem mächtig. Das Problem ist, dass er
offenbar unter Schwerhörigkeit leidet. Deshalb wird seine Verhandlung
gestern früh am Erfurter Amtsgericht schon nach einer halben Stunde auf
unbestimmte Zeit vertagt.
Für die große Fangemeinde des radikallinken Gewerkschafters ist das
einigermaßen enttäuschend. In aller Herrgottsfrühe haben sich etwa hundert
Gewerkschafter und Aktivisten linker Gruppen aufgerafft, um dem
hauptamtlichen verdi-Sekretär bei seinem Acht-Uhr-Termin im Verhandlungssaal
18 beizustehen. Solidarität mit Angelo! Schließlich ist Antifaschismus, so
schrieben es die Thüringer Jusos in ihre Resolution, nicht kriminell,
sondern selbstverständlich.
Kommt ganz darauf an, befand die Erfurter Staatsanwaltschaft und schickte
dem hyperaktiven Kämpfer gegen Faschismus, Rassismus und
Ausländerfeindlichkeit einen Strafbefehl. Ein Jahr Haft auf Bewährung für
mehrere Gesetzesbrüche. Lucifero akzeptierte nicht, und so kam die Sache
gestern vor Gericht.
Staatsanwalt Michael Scholz verfügt über keine Feldwebel-Stimme. Selbst
intakte Ohren haben Mühe, seiner Verlesung der Anklageschrift zu folgen. Aus
Behördensicht kam es am 15.März des Vorjahres zu einem Handgemenge, als der
Angeklagte bei einer Demonstration des Bündnisses für soziale Gerechtigkeit
im Erfurter Zentrum Flugblätter verteilte. Lucifero muss wohl an den
Falschen geraten sein, was bei derlei Demos durchaus passieren kann. Denn
die Erfurter NPD ist angeblich auch für soziale Gerechtigkeit. Der
verdi-Sekretär behauptet, rechte Störer hätten ihn tätlich angegriffen.
Jedenfalls zog er eine Schreckschusspistole und feuerte damit laut Anklage
aus etwa zwei Meter Entfernung zwei Mal in Richtung der ihm verhassten
Gesichter. Das Ergebnis soll eine Wangenverletzung und ein Knalltrauma
gewesen sein.
Die Polizei kennt den Pistolero von zahllosen Aufeinandertreffen linker und
rechter Demonstranten in ganz Thüringen. Sie findet Lucifero kurz nach dem
Vorfall einige Straßen weiter. Allerdings in seinem Auto. Das ist von innen
verriegelt, der Fahrer klammert sich am Lenkrad fest. Er wird dennoch
herausgezogen, bei der Festnahme schlägt der 54-Jährige wild um sich. So
kommt zum Verstoß gegen das Versammlungsgesetz und zum unerlaubten Führen
einer Waffe der Vorwurf des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte hinzu.
Obendrein soll Lucifero Wochen später, am 1.Mai, Polizisten drei Mal den
Hitlergruß gezeigt haben. Das ist möglicherweise seine Art, den Beamten
gegenüber seine Missachtung auszudrücken. Die Staatsanwaltschaft nennt es
Beleidigung.
Von den Worten des vortragenden Staatsanwalts Scholz will der Angeklagte
kein einziges verstanden haben. Sein Rechtsbeistand, er hat gleich zwei
Anwälte mitgebracht, sagt, so geht das nicht. Sein Mandant müsse den
Prozessverlauf verfolgen können.
Das weiß Amtsrichter Oliver Friedrich natürlich selbst. Nach kurzer
Unterbrechung und Konsultation mit den Anwälten stellt er fest, dass
Lucifero zumindest heute nicht in der Lage ist, der Verhandlung zu folgen.
Nun müsse zunächst ein gerichtlich bestellter Mediziner begutachten, was mit
dem Gehör des Gewerkschafters los ist. Die Testreihe wird etwas länger
dauern, vermutet der Richter und hebt den geplanten Fortsetzungstermin
23.Januar gleich mit auf. Die geladenen Zeugen werden wieder nach Hause
geschickt.
Parallel zum Verfahren hat Lucifero Ärger mit seinem Arbeitgeber verdi.
Gegen ihn läuft ein Kündigungsverfahren, seit Mitte Dezember ist er vom
Dienst suspendiert. Der Gewerkschaftsfunktionär sagt, er leide obendrein an
Tinnitus. Ein Dauerton im Ohr als Stress-Symptom, geschuldet den
Verhältnissen in diesem Lande. Da ist er noch ganz der Alte.
Thüringer Allgemeine vom 17.01.08
Nichts verstanden
Der erste Prozesstag gegen Gewerkschaftsfunktionär Angelo Lucifero endete
nach einer halben Stunde
Aufwändige Sicherheitsvorkehrungen begleiteten den Prozessauftakt gegen
Angelo Lucifero. Das Verfahren wird aber erst fortgesetzt, wenn ein
Gutachter seine Hörpobleme beurteilt hat.
Von Kai MUDRA
ERFURT.
Die Einlassprozedur am Amtsgericht Erfurt dauerte gestern länger als die
eigentliche Verhandlung. Alle Besucher mussten sich einem Sicherheitscheck
unterziehen. Doch weil der Verhandlungssaal sehr klein war, blieben viele
der Anhänger des Angeklagten trotzdem vor der Tür. Der Aufwand galt einem
Gewerkschaftsfunktionär, der vor Gericht stand, weil ihm Verstoß gegen das
Wafffen- und Demonstrationsrecht, aber auch Beleidigung und Widerstand gegen
Polizisten vorgeworfen wird.
Angelo Lucifero war dafür per Strafbefehl zu einem Jahr auf Bewährung
verurteilt worden. Das hatte er nicht akzeptiert, so dass nun in aller
Öffentlichkeit gegen ihn verhandelt wird. Doch nach gut einer halben Stunde
war der Prozess schon wieder beendet und das Verfahren ausgesetzt worden.
Angelo Lucifero gab an, Fragen des Richters und auch den Vortrag der Anklage
durch den Staatsanwalt nicht verstanden zu haben. Er leide an Ohrensausen
und an Schwerhörigkeit. Den Tinnitus bekommt man bei den Zuständen in
Deutschland, sagte Lucifero. Richter Oliver Friedrich setzte kurz darauf das
Verfahren aus, um die Hörprobleme des Angeklagten von einem unabhängigen
Gutachter untersuchen zu lassen.
Es sei ein politisches Verfahren, erklärte nach dem vorzeitigen Ende
Verteidiger Alexander Hoffmann. Dass sein Mandant die Schreckschusswaffe
benutzt habe, sei Selbstverteidigung in einer Zeit gewesen, in der
Rechtsextreme immer aggressiver auftreten.
Die Anklage wirft dem inzwischen suspendierten Gewerkschafter vor, im
vergangenen März in Erfurt am Rande einer Kundgebung mit einer
Schreckschusswaffe zwei Mal auf eine Person geschossen und diese verletzt zu
haben. Danach soll sich Lucifero auch gegen Polizisten zu Wehr gesetzt und
im Sommer sogar zwei Beamte mit dem Nazigruß provoziert
Thüringische Landeszeitung vom 15.11.2007
Rechter Szene-Laden zog ins Untergeschoss
Anger 74: Lebensmittelkette will auf Vermieterin einwirken
Von Frank Karmeyer
Altstadt. (tlz) Gutes hervorzubringen, ist unsere Überzeugung: Mit dieser
tegut-Philosophie lässt sich nur schwer vereinbaren, was im Untergeschoss
der Filiale am Anger 74 seit knapp einer Woche über die Ladentheke geht.
Waffenscheinfreie Waffen, Schlagstöcke, Helme, Messer, Panzermodelle,
Flaggen von Westpreußen und Pommern, dazu Military-Ware von der Bundeswehr,
aus den USA und Großbritannien. Auf einem Verkaufstisch stapelt sich
Kleidung der Marke Dobermann Deutschland, einer in rechtsradikalen Kreisen
beliebten Marke. Deren Inhaber stand 1981 vor Gericht, weil er im Namen
einer Rassistischen Liga zwei Sprengstoffanschläge mit selbstgebauten
Sprengsätzen auf Migranten verübt hatte.
Kleidung der Marken Thor Steinar und Walhall sei in den Trend & Army-Shops
in Eisenach, Gotha und Mühlhausen im Angebot. Aufnäher mit dem Zahlencode
88, der in der Nazi-Szene für den achten Buchstaben im Alphabet und damit
für Heil Hitler steht, soll es auch in Erfurt geben. Das hatte die
Antifaschistische Koordination Erfurt im neueröffneten Trend & Army-Shop
ausgemacht: Geschäftsführer Matthias Barthel verneint derartige Aufnäher
gebe es in seinem Laden nicht. Dass Dobermann bei Rechtsextremen beliebt
sei, tut er lächelnd mit einem Mag sein ab. Und die Baseball-Schläger, die
in einem Eimer vor der Ladentheke auf Käufer warten, seien schließlich auch
Sportgeräte, sagt er der TLZ. Und: Es wundere ja auch keinen, dass in
Baumärkten Äxte verkauft würden... In seinen anderen Läden biete er auch
Che-Guevara-T-Shirts an. Zudem werde Militärkleidung von Rechten und Linken
gern getragen, entgegnet der Geschäftsführer auf Nachfragen. Er will sich
weder noch einsortiert wissen: Ich bin einfach ein rechtschaffener Bürger.
Christina Scheler hat die Räume vermietet. Sie habe den neuen Laden noch
nicht betreten obwohl sie ihr Büro ums Eck hat. Ob alles rechtens sei, hält
sie für eine Sache des Gewerbeamtes und wäscht ihre Hände in Unschuld: Ich
habe mich dabei auf den Makler verlassen. Erschrocken sei sie schon ein
wenig, als sie die Auslagen gesehen habe: Baseballschläger, Pistole, Messer,
Stiefel.
tegut nicht glücklich mit der Situation
Nun wolle sie mit ihrem Anwalt Kontakt aufnehmen, um das weitere Vorgehen,
eine mögliche Kündigung des Mietvertrages, zu besprechen. Ihre Maklerin habe
sie bereits angerufen und zur Antwort bekommen, sie möge sich keine Gedanken
machen: Das sei schon okay.
Die Geschäftsführerin der Firma Antaris Immobilien äußerte sich zunächst
umfänglich gegenüber der TLZ über ihr Geschäftsinteresse, wollte dann aber
damit auf keinen Fall zitiert werden. Auf der Internetseite verspricht das
Unternehmen: Mit Verhandlungsgeschick, Seriosität und fachkompetentem Wissen
gilt es, die unterschiedlichsten Interessen der Eigentümer, Mieter, Behörden
sowie Dienstleistungsunternehmen in Einklang zu bringen.
Zumindest mit dem Bestandsmieter tegut scheint dies nicht sonderlich
gelungen. Das Unternehmen will eilig mit der Vermieterin Kontakt aufnehmen:
Wir sind nicht glücklich mit der Situation, versichert Andrea Rehnert,
Ansprechpartnerin für Presseanfragen bei der Lebensmittelkette. Der
Denkmalschutz verbiete, den Eingangsbereich zu verändern, den sich die
Kunden von tegut nun mit denen des neuen Mieters teilen. Da aber nur das
Erdgeschoss gemietet sei, habe tegut keinen Einfluss auf die Vermietung des
Untergeschosses sagt Andrea Rehnert mit großem Bedauern.
Thüringer Allgemeine vom 14.11.07
Vorbestrafter Praktikant
ERFURT/SCHWERIN. Empörung im Schweriner Landtag. Die demokratischen Landtagsfraktionen hatten gestern Morgen im
Ältestenrat erfahren, dass die NPD im Parlament in ihrer Fraktion einen Gewalttäter beschäftigt, der wegen
Körperverletzung und Anstiftungzu einem Sprengstoffanschlag verurteilt wurde.
Der so vorbestrafte ist Patrick Wieschke, in Thüringen NPD-Landesgeschäftsführer, der sich in Mecklenburg-Vorpommern
womöglich auf Kosten der Steuerzahler auf den Einzug in den Thüringer Landtag 2009 vorbereiten will.
Als Referent hätte er mit seinen Verurteilungen in keiner Fraktion eine Chance auf eine Anstellung gehabt. Denn das
Abgeordnetengesetz in Mecklenburg-Vorpommern verlangt dafür das Vorlegen eines Führungszeugnisses. Und so wurde wohl
quasi als Hintertür ein Praktikum gewählt.
"Das ist ein Missbrauch des Landtags als Kaderschmiede für Rechtsextremisten aus ganz Deutschland", schimpfte gestern
Harry Glawe, der parlamentarische Geschäfts-führer der mitregierenden CDU-Fraktion. Die Links-Partei erklärte knapp
und deutlich, "dass rechtsextreme Gewalttäter am Arbeitsort des Parlaments nichts verloren hätten".
SPD, CDU, FPD und Linke verabschiedeten gestern gegen die Stimmen der NPD für Mecklenburg-Vorpommern eine
Verfassungsänderung, nach der Handlungen, die unter anderem darauf "gerichtet sind, rassistisches und anderes
extremistisches Gedankengut zu verbreiten, verfassungswidrig" sind.
Damit setzte der Landtag ein klares Zeichen gegen Rassismus und Rechtsextremismus.
Für so ein gemeinsames Zusammengehen aller demokratischen Parteien und Gruppierungen sprachen sich gestern in der
Gedenkstätte Buchenwald auch die Teilnehmer einer dreitägigen Arbeitsberatung aus. Als wichtigste Aufgabe Thüringens,
um bis zur Parlamentswahl 2009 dem Rechts- extremismus wirksam zu begegnen, sehen die Juristen, Sozialarbeiter,
Polizeibeamten und Lehrer eine kontinuierliche Finanzierung der Jugendarbeit. Es könne nicht sein, dass sich
Clubhäuser oder Vereine von einer Projektfinanzierung zur nächsten retten und jedes Mal von vorn beginnen müssten,
hieß es. Denn die entstehenden Lücken würden von den Neonazis konsequent genutzt. Aus Sicht des Weimarer Gremiums
besteht die Gefahr, dass die NPD 2009 in den Thüringer Landtag einziehen könnte.
Eine der Strategien dorthin ist die von Wieschke verfolgte, möglichst unauffällig Praktika zu absolvieren und sich
vorzubereiten. Auch die Thüringer Linksfraktion war davon schon betroffen, als sich im Sommer zeigte, dass ein
Praktikant zum rechten Lager gehörte.
Vorbestrafte Gewalttäter haben auch im Thüringer Parlament nichts zu suchen, war gestern die einhellige Meinung aller
Fraktionen. "Wer die Demokratie mit Füßen tritt, wie die NPD, darf nicht im Landtag sitzen", erklärte SPD-Innenexperte
Heiko Gentzel.
Wie erfolgreich gemeinsames Handeln ist, das spürten die Rechtsextremisten Mitte Oktober. Damals war es ihnen nicht
gelungen, einen Saal für ihren Landesparteitag zu mieten. Nun versuchen sie es erneut, diesmal in Bad Lobenstein.
Getarnt als Handwerksinnung sollen die Rechtsextremen vorgefühlt haben, ob der Saal im dortigen Klubhaus noch frei
sei, um ihn danach als NPD anzumieten.
Derzeit prüft die Kommune gemeinsam mit dem Landkreis und den Kommunalbehörden, welche Möglichkeiten es gibt, die
Vermietung zu verhindern. Denn solche Veranstaltungen lassen auch Touristen fern bleiben. Wie unbeliebt die NPD in
der Bevölkerung ist, zeigt sich auch darin, dass die Rechten offenbar mit falschen Angaben für ihre Ziele auftreten
müssen.
14.11.2007 Von Kai MUDRA
Thüringer Allgemeine vom 04.10.07
Polizei vor Gericht unterlegen
Fast zwei Jahre nach dem Mahngang anlässlich des Antifaschistischen Ratschlags der LAG Antifaschismus/
Antirassismus am 5. November 2005 in Arnstadt musste die Thüringer Polizei vor dem Verwaltungsgericht
Weimar ihr damaliges rechtswidriges Handeln einräumen (4 K 1553/05 We). Darüber informiert Steffen Dittes
von der Linkspartei.
ARNSTADT. Wie der Stadtratsfraktionschef und damalige Versammlungsleiter in einer Mitteilung wissen ließ, hatte er
im Anschluss an den Mahngang Klage gegen den Freistaat Thüringen eingereicht, "um feststellen zu lassen, dass das
Filmen der gehaltenen Redebeiträge rechtswidrig gewesen sei und unzulässig in die Grundrechte der
Versammlungsteilnehmer eingriff". In gerichtlichen Stellungnahmen hätten das Polizeiverwaltungsamt und der
verantwortliche Leiter der Polizeiinspektion Arnstadt-Ilmenau, Thomas Ziegler, die Maßnahme noch lange Zeit
gerechtfertigt, so Dittes weiter.
Im Erörterungstermin vor dem Verwaltungsgericht in Weimar sei den Vertretern der Polizei "sehr deutlich die
Rechtslage vorgeführt" worden. Das Verwaltungsgericht regte dringend der beklagten Polizei die Abgabe einer
Erklärung nahe, um eine öffentliche Verhandlung zu vermeiden. Die Maßnahme sei eindeutig nicht durch Gesetze
oder die Rechtssprechung gedeckt gewesen, habe es seitens der Richter geheißen.
Wie aus der Mitteilung weiter hervorgeht, gaben die Beklagten daraufhin folgende Erklärung ab: "Nach der
gerichtlichen Erörterung der Sach- und Rechtslage stellt der Beklagte fest, dass die Bild- und Tonaufzeichnung
im Zusammenhang mit der Versammlung am 5.11.2005 in Arnstadt rechtlich unzulässig gewesen ist."
Dittes kommentiert in seinem Schreiben an diese Zeitung dieses Ergebnis als einen Erfolg für die Versammlungs- und
Meinungsfreiheit. "Es ist die Erfahrung, dass die Polizei immer wieder bestehende Schutzgrenzen, die das
Versammlungsgesetz und das Grundgesetz der Polizei auferlegt, missachtet", so der Linke-Politiker. Der Ausgang
des Verfahrens zeige, "dass man auch Erfolg haben kann, wenn man sich gegen rechtswidriges Verhalten der Polizei
wehrt." Dittes hofft nach eigenen Angaben nun, dass die Erörterung der Rechtslage vor dem Gericht Auswirkungen
auf das polizeiliche Agieren in Thüringen in der Zukunft haben wird.
Thüringer Allgemeine vom 20.09.07
Unheilvolle Allianz
Bürgerrat und Rechte besetzen in trauter Einigkeit das gleiche Thema ( die
Abrisspläne am Wiesenhügel)
50 bis 60 Demonstranten auf dem Fischmarkt. Die Einladung zum Protest gegen
die Kowo-Abrisspläne am Wiesenhügel kam vom Bürgerrat, das technische
Equipment und ein Gesangssolist von den Rechten. Man übte sich im
Schulterschluss mit Neonazis.
Von Michael KELLER
LANDESHAUPTSTADT.
Unser Kampf ist national und Damit der Wind sich dreht. Die Textzeilen aus
dem angejahrten Lautsprecher auf dem Pflaster des Fischmarktes erweckten bei
vielen der Passanten gleich ein ungutes Gefühl und man hielt sich nicht
lange auf. Die sind doch total rechts angehaucht, sagt ein älterer Herr,
während ein jüngerer Zeitgenosse die drastische Formel Das kann man sich
doch nicht anhören wählt. Der Bürgerrat zur Rettung des Wiesenhügels hatte
zur Demo gegen die Abrisspläne am Wiesenhügel geladen. Und die geriet in
erster Linie zur nationalistischen Propaganda-Schau, ge- paart mit
persönlichen und allgemeinen Angriffen auf alles und jeden und mit einem
Aufruf des selbsternannten Bürgerratsvorsitzenden Ulrich Walluhn zum
Generalstreik. Der war sich auch nicht zu schade, den Rechtsextremen Patrick
Paul als nationalen und deutsch-vaterländischen Patrioten zu loben.
Letzterer dankte es ihm auf seine Weise. Mit einer Rede, die in der
Feststellung gipfelte, dass die Zeit in der sich ein Volk in links und
rechts spalten lasse, vorbei sei. Der sich stetig leerende Fischmarkt sprach
eine andere Sprache. Das denkende Publikum hatte sehr wohl den braunen
Ungeist gewittert und die Peinlichkeit des Auftritts erkannt. Geschmückt
wurde der zu allem Überfluss auch noch von einem Bänkelsänger, der die
Bürgerratsgetreuen mit Liedern wie dem Heideröslein oder Unsre Heimat
beglückte.
Unterdessen stellte die Bürgerinitiative (BI) Der Wiesenhügel muss leben
(nicht zu verwechseln mit dem Bürgerrat) unmissverständlich klar, dass sie
Unterstützung von Rechtsextremen kategorisch ablehnt. Wir reden nicht mit
der NPD, anderen Nazis oder deren Tarnvereinen, unterstrich BI-Sprecher
Matthias Plhak. Zugleich ließ er wissen, dass weitere 70 Widersprüche gegen
die Abrisspläne der Kowo und Stadt am Wiesenhügel im Bauamt abgegeben
wurden. Die Einsprüche summierten sich somit auf über 300. Außerdem, so
Plhak, seien dem Baubeigeordneten Ingo Mlejnek 2000 Unterschriften
überreicht worden, die die BI auf dem Wiesenhügel und in der Innenstadt
gesammelt hat.
Thüringische Landeszeitung vom 15.09.07
Bürgerrat disqualifiziert sich Rechtsextrem unterwandert
Unterstützung durch NPD-Verein Wachhäuschen-Verein zog Konsequenzen Bündnis
für soziale Gerechtigkeit setzt auf Solidarität
Von Frank Karmeyer
Erfurt. (tlz) Dringend jede Zusammenarbeit aufkündigen mit dem
selbsternannten Bürgerrat, der sich gegen Abrisspläne der KoWo am
Wiesenhügel wendet diese Empfehlung gibt der Kreisverband von Die Linke an
Stadtverwaltung, KoWo und alle anderen Demokraten. Grund: In Ausgabe 1 des
Bürgerrat Informationsblattes wird spätestens deutlich, dass sich das
Gremium im vollen Wissen um die rechtsextremistische Herkunft und
Einstellung des NPD-Vereins Schöner leben in Erfurt von diesem unterstützen
lässt und mit dessen Protagonisten Patrick Paul und dem
NPD-Kreisvorsitzenden Kai-Uwe Trinkaus Gespräche führe. Alle zuvor gegebenen
Hinweise und Warnungen seien von Vertretern des Bürgerrates abgewiegelt
worden, sagt Falk Przewosnik, stellvertretender Vorsitzender des
Stadtverbandes Die Linke: Der selbsternannte Bürgerrat verlässt mit der
Zusammenarbeit mit Rechtsextremisten demokratischen Boden und verliert seine
Legitimität. Vertreter der berechtigen Bürgerinteressen sei nurmehr die
Bürgerinitiative Der Wiesenhügel muss leben!
Auf Nachfrage der TLZ bestätigte Ulrich Walluhn, Vorsitzender des
selbsternannten Bürgerrates, die Gespräche und Hilfe beim Druck des
Infoblattes durch den Verein Schöner leben in Erfurt. Er sehe kein Problem
im Verweis auf den NPD-Verein als Unterstützer und eine Anzeige mit
Kontaktadresse der Bürgerstimme im Bürgerrat-Infoblatt, wie er der TLZ
sagte. Er habe sich schließlich umfänglich über beide informiert und sei zum
Schluss gekommen, dass es sich bei Paul lediglich um einen
national-konservativ-patriotisch gesinnten Mann handele, und keinen
Rechtsextremen, so Walluhn. Er teile nicht alle seiner oder Trinkaus'
Positionen, müsse dies aber auch nicht. So lange im Blatt oder Verein gegen
Mitglieder oder Mitwirkende keine Straftatbestände vorzufinden seien, wäre
gegen eine Zusammenarbeit nichts einzuwenden.
Im Infoblatt des Bürgerrats darf Paul, führender Kopf der so genannten
Freien Kräfte in Erfurt, indes über die bundesrepublikanische
Rumpfgemeinschaft und einen besseren Staat schwadronieren. Das Unterwandern
von Vereinen durch Rechtsextreme ist keine neue Masche: So hat unlängst der
Verein zum Wiederaufbau des westlichen Wachhäuschens am Hirschgarten Kai-Uwe
Trinkaus aus dem Verein geworfen (TLZ berichtete). Als bekannt geworden war,
dass der NPD-Kreisvorsitzende Mitglied ist, waren Spenden ausgeblieben. Und
auch unter die Teilnehmer der Donnerstagsdemo mischten sich jetzt wieder
Rechtsextreme, was das Bündnis für soziale Gerechtigkeit nicht länger
hinnehmen will: Es wende sich klar gegen Rechtsextremismus, so Dr. Reinhard
Duddek im Namen des Bündnisses, was am Donnerstag, 20. September, um 17 Uhr
Thema der Demonstration sei. Demokraten seien aufgefordert, sich solidarisch
zu zeigen. Das Bündnis fordere soziale Gerechtigkeit für alle Menschen die
Rechtsextremisten im Unterschied dazu nur für die von ihnen propagierte
deutsche Volksgemeinschaft.
Thüringer Allgemeine vom 15.09.07
Bürgerrat stützt sich auf Rechtsextreme
Erfurter Neonazis versuchen, sich als Interessenvertreter der
Wiesenhügel-Bewohner zu etablieren. Unterstützung kommt ausgerechnet von
jenem Bürgerrat, der sich unabhängig nennt.
WIESENHÜGEL.
Am Ende konnte nur noch die Polizei weiterhelfen. Als dieser Tage die SPD
einen Infostand in dem vom Abriss bedrohten Wohngebiet aufgebaut hatte,
versuchten Rechtsextreme, die Veranstaltung zu okkupieren. Einer derer, die
für den Notruf kein Verständnis hatten, war Ulrich Walluhn. Wir reden mit
jedem!, sagt der Chef des Bürgerrats vom Wiesenhügel. Auch mit der NPD? Auch
mit der NPD. Hitleristen seien das auf keinen Fall. Ansonsten wäre bei ihm
Schluss mit lustig!
Weniger lustig finden engagierte Bürger indes, dass sich der Bürgerrat
ausgerechnet von einem gewissen Patrick Paul protegieren lässt. Der sich im
Dunstkreis der Nazis bewegende Paul steht dem Verein Schöner Leben in Erfurt
vor. In diesem darf nur Mitglied werden, wer ein Deutscher ist. Nachfragen
dazu wiegelt der Bürgerratsvorsitzende ab. Die Gesinnung des Herrn Paul sei
dessen Privatvergnügen.
Gerade erst wurde vom Bürgerrat ein Faltblatt verteilt, zu dem der
Schöner-Leben-Chef einen größeren Text beisteuern durfte. Zudem wird in dem
Flugblatt für eine Postille geworben, die in der Manier antisemitischer
Hetzblätter der 20er Jahre gehalten ist. Offiziell heißt es, man gebe doch
nur dem kleinen Mann eine Stimme. Was auch sonst...
Der Bürgerrat sehnt sich nach Anerkennung, meint Jörg Schwäblein, Ratsherr
der CDU. Er unterhält im Wohngebiet ein Bürgerbüro und weiß sehr wohl um den
mitunter verzweifelten Kampf gegen die Abrisspläne. Das haben die Braunen
erkannt und nutzen es aus. Wolfgang Metz von der SPD-Fraktion sieht das
ähnlich. Er spricht von einer Wortergreifungsstrategie. Der Stadtverband der
Linken hat die Stadtverwaltung und die Kowo aufgefordert, alle Kontakte zum
Bürgerrat abzubrechen. Er habe den demokratischen Boden verlassen.
Mirko KRÜGER
Der Bürgerrat ist nicht identisch mit der ebenfalls aktiven
Bürgerinitiative.
Thüringer Allgemeine vom 21.08.07
Aus zwei mach eins
Bürgerrat besucht die Bürgerinitiative und will mit ihr gemeinsam gegen
Kowo-Pläne demonstrieren
Gestern 16 Uhr am Wiesenhügel: An die 30, später um die 50 Erfurter treffen
sich mit dem Bürgerrat. Man wettert gegen die Kowo, den Masterplan 2 und die
konkurrierende Bürgerinitiative.
WIESENHÜGEL (mke).
Bürgerratsvorsitzender Ullrich Walluhn schimpft auf die Kowo, fordert die
Rücknahme des Masterplans 2 und unterstellt dem Stadtrat, in aller Eile
etwas durchpeitschen zu wollen. Zwischendurch heischt er nach Zustimmung,
fragt Hab ich Recht oder Ist das so?. Er bekommt Beifall. Man ist in Sorge
um die eigene Bleibe, fürchtet, wegziehen zu müssen, wenn die Kowo Blöcke
abreißt. Walluhn rechnet die Kowo-Schulden vor, fragt, wo das viele Geld
geblieben sei, was man schließlich all die Jahre bezahlt habe. Dann warnt er
vor französischen Verhältnissen und meint die sozialen Unruhen vor zwei
Jahren. Und er fragt, ob sie, gemeint sind die Kommunalpolitiker, wollten,
dass die Stimmung nach rechts kippe. Dann spricht er sich für eine
Ausgliederung des Wiesenhügels aus der Kowo aus und für eine
sozialverträgliche Sanierung der Blöcke. Um Himmels willen nicht auf die
Vorschläge eingehen, lieber rausklagen lassen, so sein Appell. Zustimmendes
Gemurmel. Zu guter Letzt schimpft er auf die konkurrierende Bürgerinitiative
(Wir haben 300 Unterschriften und sind damit mehr legitimiert), bezeichnet
deren Vorsitzende Langen, die mit den Linken zusammenhänge, als einen der
Betonköpfe, die uns 89 die DDR ruiniert haben, wirft ihr diktatorisches,
sozialistisches Einzelleiterprinzip vor und schlägt zu guter Letzt vor, sie
doch sofort zu besuchen. Die Gesuchte kommt nichtsahnend angeschlendert. Sie
hatte die Bürgerratsversammlung gesucht und staunt. Walluhn diskutiert ( nun
in deutlich gemäßigterem Ton ( eine Weile mit ihr, einigt sich dann nach
mehreren Disputen mit der resoluten Dame auf gemeinsame Aktionen. Soll
heißen, eine Demonstration auf dem Fischmarkt und den Besuch der
Stadtratssitzung, wenn das Thema Masterplan 2 und der Wiesenhügel auf der
Tagesordnung stehen. Walluhn sagt nun: Wir haben doch gemeinsame Ziele.
16.56 Uhr. Die Menge zerstreut sich.
Thüringische Landeszeitung vom 13.07.07
Die guten braunen Manieren
Die NPD will in den Stadtrat und Landtag und macht dafür auf bieder,
bürgerlich und gewaltfrei
Von Nicole Richter
Erfurt. (tlz) Eine Kundgebung vor der Staatskanzlei haben so genannte Freie
Kameradschaften und die NPD Thüringen für diesen Samstag angemeldet. Dabei
ist der 1. Mai noch gut in Erinnerung. Augenscheinlich werden die zeitlichen
Abstände zwischen rechten Aktionen immer kürzer. Schon jetzt gibt es
Infostände der NPD fast wöchentlich in Erfurt. Ihre Ziele sind klar: die
Kommunal- und Landtagswahlen 2009. Shirts, die sie an ihren Infoständen
tragen, geben die Ansage vor: Stadtrat 2009.
Am Image feilen
Die rechtsextreme NPD will in die Parlamente einziehen und geht auf
Wählerstimmenfang. Und dafür hat sie ihr Image geändert, gibt sich seit zwei
Jahren bürgerlich, bieder und demokratisch, inszeniert sich als vornehmlich
friedliche Opposition. Die NPD will sich als 'Bürgerpartei' etablieren,
erklärt Falk Przewosnik, Stellvertretender Vorsitzender von Die Linke.
Erfurt und Mitglied des Bürgertisches für Demokratie.
Schon rein äußerlich haben sich daher die Rechten angepasst, kein
martialisches Auftreten mehr mit Glatze, Bomberjacken und Springerstiefeln,
heute tragen sie Kleidung wie jedermann, so Przewosnik. Nur Insider würden
an bestimmten Symbolen und Marken (Lonsdale, Thor Steinar) die Gesinnung
erkennen. Bei NPD-Aktionen stellen sie sich gewaltfrei dar, die Mitglieder
sind angehalten, Konflikte vorrangig verbal zu lösen und nur in Notfällen
zur Gewalt zu greifen. Sie gehen gegen ihr schlechtes Außenbild, das der
Schlägertypen, vor. Präsentieren sich nun als Bürger wie du und ich, als
Bürger, die sich einmischen, als Bürger, die wählbar sind. Und das wollen
sie erreichen u.a. mit der Wortergreifungsstrategie. Dabei ergreifen sie bei
öffentlichen Veranstaltungen wie Demos, Kundgebungen von Bürgerinitiativen
oder auch in Stadtratssitzungen das Wort als Bürger, tun dabei aber ihre
Meinung als NPD-Mitglieder kund.
Seit einem Dreivierteljahr sitzen beispielsweise bei fast jeder
Stadtratssitzung Mitglieder oder Anhänger der NPD oder der Jungen Nationalen
(JN), der Jugendorganisation der NPD, mit im Saal, um zu erfahren, wo es
Probleme gibt, wo sie anpacken könnten eben, um sich Wissen anzueignen für
Wahlprogramme und Werbeaktionen. Die NPD greift soziale Themen auf, um
darüber rechte Ideologie zu transportieren und sie so Schritt für Schritt
gesellschaftsfähig zu machen.
Etwa 25 NPD-Mitglieder soll es laut Die Linke. in Erfurt geben. Der
ehemalige Kreisverband (KV) Erfurt-Gotha hatte sich im Herbst 2006
gesplittet in den KV Gotha und KV Erfurt-Sömmerda. In Thüringen insgesamt
gibt es 15 Kreisverbände. Kai-Uwe Trinkaus (Anfang 40) wurde am 21. April
2007 zum Vorsitzenden des KV Erfurt-Sömmerda, der vermutlich um die 40
Mitglieder hat, gewählt und hat den KV, so Przewosnik, ganz gut auf die Füße
gebracht: Infostände sind zum Alltagsbild geworden. Gefährlich, denn sie
versuchen, Normalität entstehen zu lassen, man soll sich an sie gewöhnen, an
die 'guten Jungs von nebenan', wie sie sich geben. Auffällig dabei die
Gruppenstärken. Anders als bei anderen Parteien üblich stünden an den
NPD-Ständen bis zu 15 Mann, und etwa zehn Personen, zumeist rechte
Hooligans, positionierten sich als Aufpasser in der Umgebung, sagt der
Kenner der Szene, Przewosnik. Trotz all dieser neuen guten Manieren gebe es,
so Przewosnik, weiterhin rechtsextrem motivierte Gewaltaktionen. In diesem
Jahr wurden bereits an die 30 gezählt: Überfälle auf Andersdenkende, auf
Ausländer und alternativ Aussehende, Störungen von demokratischen Demos,
Skinhead-Konzerte, der Anschlag auf das Rosa-Luxemburg-Denkmal...
Die Bürgerstimme
In Trinkaus' Wohnhaus in der Liebknechtstraße eröffnete die NPD
Erfurt-Sömmerda am 19. Juni 2007 ein so genanntes Bürgerbüro. Hier
residieren zudem der Kreisverband des Bundes der Vertriebenen Erfurt und die
Redaktion der NPD-nahen Zeitung Bürgerstimme, ein zweimonatlich
erscheinendes Mitteilungsblatt in (laut Angaben der NPD) 200000er-Auflage,
das kostenlos in die Briefkästen gesteckt wird. Zudem hat der Anfang 2007
gegründete Verein Schöner Leben in Erfurt hier sein Zuhause, ein, so
Przewosnik, rechtsextremer Tarnverein, der sich als kommunalpolitischer
Verein ausgibt, also noch bürgerlicher als die NPD. Trinkaus ist auch hier
der Vorsitzende. Im Vorstand ist auch Patrick Paul, Student der Uni Erfurt
und einst Vorsitzender der Kameradschaft Freie Aktivisten Erfurt. Ob diese
Kameradschaft noch aktiv ist, sei, so Przewosnik, derzeit nicht klar zu
sagen. Fakt indes sei, dass immer mehr Mädchen und junge Frauen bei rechten
Gruppierungen dabei sind viel sei in letzter Zeit für deren Integration
getan worden, sind doch über sie viele Jungs und Männer besser zu halten die
Mädels stärken so den Zusammenhalt.
Auch zwei Vereine, in denen Rechtsextremisten aktiv seien bzw. toleriert
würden, nennt Falk Przewosnik: der Bismarckturmverein und Inferno Windisch
04, letzterer gebe sich als Fanclub des FC Windischholzhausen aus.
Thüringer Allgemeine vom 01.09.07
Vor die Tür gesetzt
Nach dem Ausschluss eines NPD-Funktionärs hofft der Verein Westliches
Wachhäuschen auf einen schnellen Baubeginn.
ERFURT (cc).
Der Vorsitzende der NPD in Erfurt, Kai-Uwe Trinkaus, wurde aus dem Vorstand
und auch als Mitglied aus dem Verein Westliches Wachhäuschen ausgeschlossen.
Auf der außerordentlichen ( und aus diesem Grund einberufenen (
Mitgliederversammlung fiel das Votum eindeutig aus. Wir hoffen nun, dass
recht schnell eine Vereinbarung mit der Stadt über den Wiederaufbau des
Wachhäuschens zustande kommt, sagte Vereinschef Anselm Räder zum Ausgang der
Sitzung. Handwerker und Geschichtsinteressierte hatten im März den Verein
gegründet, um den Wiederaufbau des zu DDR-Zeiten eingemotteten Bauwerks ohne
öffentliche Gelder zu bewerkstelligen.
Trinkaus war vor seinem Aufstieg in der rechtsextremen Partei dem
Wachhäuschenverein beigetreten, was in jüngster Zeit Sponsoren von ihrer
Unterstützung Abstand nehmen ließ. Anselm Räder hofft nun, dass das Projekt
wieder Fahrt aufnimmt. Der Ausschluss von Trinkaus war damit begründet
worden, dass durch seine Mitgliedschaft das Vereinsziel an sich gefährdet
war.
Wir haben uns nicht gescheut, in diese Auseinandersetzung zu gehen, meint
Anselm Räder. Jedoch beklagt er, dass man dabei den Verein allein gelassen
habe. Die Repräsentanten von gesellschaftlichen Organisationen hätten sehr
wohl großes Interesse an den Vorgängen gezeigt, aber sich herausgehalten.
Thüringische Landeszeitung vom 30.08.07
Rauswurf für Rechtsextremen
Der Verein Westliches Wachhaus e.V. will weiteren Schaden abwenden
Erfurt. (tlz/fk) Aus dem Vorstand und als Mitglied ausgeschlossen hat der
Verein Westliches Wachhaus e.V. gestern Kai-Uwe Trinkaus. Zudem trat ein
Vorstandsmitglied zurück; den Namen wollte Räder nicht nennen. Eine einfache
Stimmenmehrheit des nun 15 Mitglieder zählenden Vereins war notwendig in der
außerordentlichen Mitgliederversammlung, um den stadtbekannten
Rechtsextremen rauszuwerfen. Bekannt im Zusammenhang mit der rechtsextremen
NPD, deren Kreisvorsitzender Trinkaus ist, war dieser dem 1. Vorsitzenden
Dr. Anselm Räder nach eigenem Bekunden erst geworden, nachdem Sponsoren und
Förderer des Vereins ihre Unterstützung versagten und sich vom Verein
abwandten. Mit Trinkaus, so Räder, sei das Vereinsziel, das westliche
Wachhäuschen mit Hilfe von Sponsoren wieder vor der Staatskanzlei zu
errichten, demnach nicht zu erreichen. So stehe die Mitgliedschaft von
Trinkaus dem Satzungsziel des Vereins entgegen, was die gestrige Versammlung
rechtfertige. Ohne diesen Hinderungsgrund für Sponsoren, das Vorhaben zu
unterstützen, hätte der Verein schon einige Schritte weiter sein können, so
Räder. Darüber hinaus hat auch die gesellschaftliche Reputation des Vereins
aufgrund seiner Tätigkeit für den Vorstand zwischenzeitlich erheblichen
Schaden genommen, hatte Räder dem Vorstandsmitglied Trinkaus mitgeteilt und
ihn brieflich zur Niederlegung seines Amtes aufgefordert was ohne Antwort
geblieben war. Die Atmosphäre bei der Versammlung gestern Abend sei
vernünftig gewesen, so Räder.
Thüringische Landeszeitung vom 26.09.07
Klare Position gegen Rechts
Stadtsporttag: Fragebogen zum Sportstättenleitplan ausfüllen SSB-Vorsitzende
wiedergewählt
Von Anette Elsner
Erfurt. (tlz) Jena und Babelsberg könnten Vorbild sein für Erfurt, was die
Hausordnung für deren Stadien angeht, forderte Birgit Pelke gestern Abend
beim Stadtsporttag des Stadtsportbundes (SSB) im Rathausfestsaal. Denn in
diesen Sportstätten sind nicht alle Transparente, Fahnen, Aufnäher, Zahlen-
und Buchstabenkombinationen oder Kleidungsstücke gern gesehen. Deren Träger
werden aus dem Stadion gewiesen, können sogar Hausverbot bekommen, wenn
genannte Dinge beispielsweise verfassungsfeindliche oder Menschen
diffamierende Inhalte transportieren.
Auch in Erfurt sickerten rechtsorientierte Menschen und NPD-Mitglieder
verstärkt in die Vereine ein, um sich dort quasi in der Mitte der
Gesellschaft zu etablieren und ihre Ideologie so unterschwellig zu
verbreiten, führte Pelke weiter aus. Und rief die Vereinsvertreter zu
erhöhter Wachsamkeit auf: Die Augen nicht zumachen, das Thema nicht
verschweigen, sondern offensiv darüber reden, aufklären und sich klar
positionieren, das erwarte sie von den Vereinsvertretern.
Die auch Hilfe bekommen sollen mit einer Weiterbildung am Sonnabend, 6.
Oktober. Erfahrungen austauschen, Handlungsmöglichkeiten kennen lernen das
sind zwei Ziele des Angebotes von SSB, Bildungswerk des Landessportbundes
und Landesstelle Gewaltprävention der Landesregierung für alle Sportvereine
der Stadt, das von der Sportbeigeordneten Cornelia Nitzpon moderiert wird.
Riethsporthalle
an erster Stelle
Einbringen können und sollen sich die Vereine zudem bei der Aktualisierung
des Sportstättenleitplanes der Stadt Erfurt. An erster Stelle dabei steht
der Ersatzneubau der Riethsporthalle für mehr als 8 Millionen Euro, darin
waren sich Pelke und Nitzpon einig. Derzeit werde geprüft, ob der Neubau
direkt neben dem alten Standort möglich sei, führte Nitzpon aus. Das hätten
den Vorteil, dass der laufende Betrieb nicht unterbrochen werden müsste.
Dankbar sein man auch, dass der Stadtrat mit seiner Zustimmung zur Förderung
den Neubau des Sportzentrums Vieselbach ermögliche (TLZ berichtete). Es kann
nur gemacht werden, wofür Geld da ist, sagte SSB-Vorsitzende Pelke. Dennoch
solle im Sportstättenleitplan der gesamte Bedarf festgehalten werden: Als
Grundlage für eine Prioritätenliste.
Deshalb können die Vereine noch bis Sonntag, 30. September, einen Fragebogen
beim SSB abgeben. Trainingszeiten werden ebenso abgefragt wie der
Sanierungsbedarf der vom jeweiligen Verein genutzten Sportstätten oder die
Entfernungen bis zur Sportstätte.
Beschließen konnte die Vorsitzende des Stadtsportbundes den Abend, wie sie
ihn begonnen hatte im Amt. Denn Birgit Pelke wurde wiedergewählt bei einer
Gegenstimme und einer Enthaltung und beginnt damit ihre 3. Amtsperiode.
Vertreten waren gestern beim Stadtsporttag 137 Delegierte mit insgesamt 150
Stimmen aus den 251 im Stadtsportbund organisierten Vereinen, die insgesamt
29005 Mitglieder haben.
Thüringische Landeszeitung vom 08.10.07
Neonazis nicht bestimmen lassen - Rechtsextremismus im Sport: Seminar
abgesagt
Von Anette Elsner
Löbervorstadt. (tlz) Über Rechtsextremismus reden mit Rechtsextremisten im
Raum? Strategien gegen Neonazis vermitteln und diskutieren, in Gegenwart des
Erfurter NPD-Vorsitzenden? Birgit Pelke ist dazu außerstande, und wie die
Vorsitzende des Stadtsportbundes Erfurt (SSB) und Vizepräsidentin des
Thüringer Landtags dachte am Sonnabend auch die Mehrheit der Organisatoren
und Referenten.
Abgesagt wurde die Weiterbildungsveranstaltung Rechtsextremismus im Sport
Nicht mit uns!, weil unter den Teilnehmern mit Andy Freitag, Vorsitzender
des SV Vorwärts, und Kai-Uwe Trinkaus, Vorsitzender der NPD Erfurt, zwei
Rechtsextremisten gewesen wären.
Das darf sich nicht wiederholen: Dieses Ziel hat sich Pelke gesetzt und will
dazu die Akteure des Sonnabends zum Gespräch versammeln vom Ausrichter, dem
Bildungswerk des Landessportbundes, bis zur Polizei. Uwe Schubert möchte
dabei sein, seine Hilfe anbieten: Es kann nicht sein, dass Neonazis
bestimmen, ob Veranstaltungen durchgeführt werden, sagt der Koordinator von
Mobit (Mobile Beratung in Thüringen Für Demokratie Gegen Rechtsextremismus),
die am Sonnabend Referenten gestellt hat. Er sagt aber auch, dass die
Situation eine schwer zu handhabende gewesen sei.
Vorher ausschließen
Andy Freitag sei ordnungsgemäß angemeldet gewesen, schildert Birgit Pelke
den Hergang im Gespräch mit der TLZ: Zu einem Zeitpunkt, als seine
politische Ausrichtung noch nicht bekannt gewesen sei. Ein Mitglied seines
Vereins habe jeder Angemeldete noch mitbringen dürfen: Und so habe Freitag
mit Trinkaus vor dem Haus des Thüringer Sports gestanden hinein konnten sie
nicht, da standen Mitglieder der Antifaschistischen Koordination Erfurt
(AKE). So lange, bis die Polizei den Zugang zu den Räumen ermöglicht habe.
Von seinem Hausrecht Gebrauch machen und die Rechtsextremisten des Raumes
verweisen, dazu sei die rechtliche Lage für den Landessportbund zu unsicher
gewesen, sagt die SSB-Vorsitzende.
Uwe Schubert sieht das nicht ganz so: Das Versammlungsrecht hätte das schon
hergegeben, meint er sieht aber den besseren Weg darin, Neonazis gar nicht
erst zu Veranstaltungen zuzulassen. Und der Mobit-Koordinator verweist auf
die Möglichkeit, in Ankündigungen, Einladungen etc. deutlich zu machen, wen
man ausdrücklich aus dem Teilnehmerkreis ausschließen möchte. Die NPD möchte
selbstverständlicher Bestandteil der gesellschaftspolitischen
Auseinandersetzung werden, dabei kommt es ihr auf die Themen nicht an, sagt
Schubert. Diese Normalisierung gelte es zu verhindern ein Ziel, das auch
Birgit Pelke verfolgen will: Wir müssen Regelungen finden, weit über
Vereins- oder Verbandssatzungen hinaus.
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